Blick nach vorne . Projekt Heidenheim 2021

 

Die Lage ist ernst – vieles ist bedrohlich – existenzbedrohend. Und trotzdem: Ist der Künstler nicht per se und non-stop in der Isolation ? Das Atelier und der Garten sind Orte der Einsamkeit, des Glücks, der Erneuerung. Auf ein Mal haben wir noch mehr Zeit, unsere Blicke auf das zu richten, was uns im ‘Hortus conclusus’ wichtig ist und so noch nicht zu sehen war.

 

 

Die Idee:

 

Ein Hortus conclusus am Schlossberg in Heidenheim 2021 in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Heidenheim

 

Wir, Andrea Küster aus Düsseldorf und Heiner Geisbe aus Straelen, beabsichtigen, einige unserer Bilder, die Natur als Sujet zeigen, auf Folien zu reproduzieren und in einem dem Ausstellungshaus naheliegenden Naturzusammenhang zu installieren.

Parallel dazu werden die originalen Arbeiten in einem Ausstellungsraum ausgestellt. Gleichzeitig geben die Filmaufnahmen einer überfliegenden Drohne die Installation der bedruckten Planen im Naturzusammenhang im Ausstellungsraum wieder.

Die bereits erarbeiteten Werke werden also für den Betrachter in drei Zusammenhängen sichtbar: dem gewohnten eines “white cube”, auf einem “Ausstellungspfad” in Gegenüberstellung mit Natur, dem Sujet der Bilder im weitesten Sinne, und aus einer “Überschau der Drohne”, die anschaulich macht, was alle Beobachter möglicherweise in ihren Überlegungen abwägen:

- wie steht ein Kunstwerk zu seinem Gegenstand und wie stehen wir, der Kunstbetrachter, die Kunstwelt, zur Naturwelt.

Spätestens seit der Renaissance ist die Naturdarstellung, zumeist als Landschaft, Thema in der Malerei.

In den vergangen Jahren fließt in diese Darstellungen mehr und mehr auch das entfremdete Verhältnis des Menschen zur Natur, die uns als vom Menschen “Gemachte”, Nutzbare aber eben auch in gleichem Maße Bedrohte entgegen tritt, ein. Natur als Pflanze, als Landschaft, oder im Zusammenhang mit ihrer “Herstellung”, “Darstellung“, Gewächshaus oder Botanischer Garten, ist ein präferiertes Sujet der beiden Antragsteller.

Corona beweist uns allen die Unkontrollierbarkeit von “natürlichen”, in diesem Fall viralen Abläufen, als Paradigma für andere uns möglicherweise noch bevor-stehenden Ereignissen, bei denen eine überregulierte Natur sich gegen unsere maßlos zweckorientierte Haltung ihr gegenüber mit Bedrohung, Vernichtung reagiert (ein simples Beispiel der Vergangenheit: die Reglementierung der Flüsse, die zu unkontrollierten Überschwemmungen führten).

Die Konfrontation von Malerei über Natur mit Natur, durch eine Ausstellung der auf großen Planen reproduzierten Bilder in der Natur, soll die grundsätzlichen , d.h. von ihrem Enstehen her entgegengesetzten Prinzipien von Kunst und Natur dem Betrachter anschaulich erlebbar machen.

Der geistige, in diesem Fall künstlerische Entwurf des Menschen über seine Existenz in der Welt, d.h. auch in der Natur, unterliegt einer anderen Zeitlichkeit und erforschten Denkrahmen als das Leben und Wirken der Natur. Unsere Effizienz kommt an ihre Grenzen.