Ein Gewächshaus für die Kunst

 

 

In dem kleinen Gewächshaus im Garten hinter meinem Atelier stellen befreundete Künstler aus NRW für jeweils drei bis vier Wochen ein Kunstwerk aus.

 

 

September :  Rosemarie Sprute  &  Bernhard Sprute   aus Bad Oeynhausen

 

Rosemarie Sprute

„Flucht“ nach Jacopo Bassano und Caravaggio 2016-2018 Öl, Ölkreide, Beize / Leinwand 170 x 140 cm (Ausschnitte aus dem Paravent „Flucht“ nach Alten Meistern, 170 x 420 cm)

Ausgelöst durch die große Flüchtlingsdebatte entstand zwischen 2016 und 2018 ein Paravent mit Motivbearbeitungen der „Flucht nach Ägypten“ / „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ nach Gemälden von Malern der Frühen Neuzeit (ca 1400-1700). 
Dieses alte Thema der christlichen Ikonographie gehörte zu den besonders oft dargestellten Motiven in Renaissance und Barock.  
Häufung und Variationen eines bestimmten christlichen Bildthemas sind -nach meinen kunsthistorischen Recherchen- nicht einfach Illustrationen biblischer bzw legendärer Texte, sondern sie fast immer ein Indiz dafür, dass die Maler daran politische, soziale oder religiöse Spannungen ihrer Gegenwart abarbeiteten: Im Fall der „Flucht nach Ägypten“ eben die extremen religiösen Spannungen und Verfolgungen, die ja die großen Flüchtlingsbewegungen von Hugenotten, Lutheranern und Calvinisten auslösten. 
Meine künstlerische Auseinandersetzung mit diesen Bildern beruht auf der Auswahl von Gemäldeausschnitten mit Fokus auf die Engelfiguren (der Legende nach wird die Heilige Familie auf ihrer Flucht von einem Engel begleitet); das hat formalästhetische Gründe und es hat natürlich etwas mit Hoffnungskonstruktionen zu tun, die -wie das Glashaus- bekanntlich zerbrechlich sind.  
Die Wahl fürs Straelener Gewächshaus fiel auf Bassano und Caravaggio, beide Maler hatten eine Vorliebe für das einfache Landleben und das Landvolk.

Bernhard Sprute

UNRUHIGE TIERE UND BLAUER FLECK“
2019/21, Öl, Dispersion, Beize / Leinwand, 170×140 cm

Die „Unruhigen Tiere“ stehen für gesellschaftliche Unruhen, als Synonym für Spannungen innerhalb der Gesellschaft. Ihre Mäuler sind aufgerissen, sie winden sich panikartig in alle Richtungen, haben den Kontakt untereinander verloren. Sie erinnern an Tiere, die in der Vergangenheit Naturkatastrophen voraussahen, wie der römische Schriftsteller Plinius der Ältere über unruhige Vögel als Vorzeichen eines Erdbebens berichtete. Wenn ein Tsunami oder ein Vulkanausbruch droht, fliehen Ratten, Käfer und Schlangen ins Landesinnere. 
Die „unruhigen Tiere“ treten aus einer weißen Leere, wie aus dem Nichts heraus. Die vom Menschen zu einem bestimmten Augenblick noch nicht wahrgenommenen drohenden Gefahren (die weiße Leinwand, die Ruhe, die Unschuld), werden aber bereits von den Tieren seismographisch wahrgenommen: Sie geraten in Unruhe, in Panik, schlagen mit den Flügeln, reißen die Schnäbel und Mäuler auf, winden sich, spüren die Gefahr. Das Blau durchdringt leicht den weißen Malgrund, verweist symbolisch, dem Wunsch folgend und in die Zukunft schauend, auf Ruhe, Besonnenheit und Sicherheit.

Allgemein zum historischen Hintergrund: Beispiele für die „seismographischen Fähigkeiten“ von Tieren reichen tief in die Geschichte zurück: Tiere haben intuitive Fähigkeiten, die Menschen nicht zugänglich sind. Die ersten Hinweise lieferte der griechische Geschichtsschreiber Diodor. Im Jahr 373 vor Christus wurde die Stadt Helike am Golf von Korinth nach einem dramatischen Erdbeben von einem Tsunami aus dem Mittelmeer verschlungen. Fünf Tage vor der Katastrophe  soll ein riesiger Zug aus Ratten, Käfern, Schlangen und anderem Getier über die Straße ins benachbarte Koria gewandert sein. Die Tiere flohen vor der Welle, um sich im Landesinneren in Sicherheit zu bringen.  Auch die Römer hatten Erfahrung darin, die Zeichen der Tierwelt zu lesen. Sie nannten sie “Unheil redende Tiere”: Hunde, Pferde, Gänse, die auffällig lärmten, woraufhin der Senat seine Sitzungen vorsichtshalber unter freien Himmel verlegte – aus Angst vor Erdbeben. Die massenhafte Flucht von Vögeln, Kleingetier am Boden und sogar großen Säugern vor dem Anrollen eines Tsunamis oder dem Ausbruch eines Vulkans hat sich als zuverlässigerer Alarm erwiesen als Seismografen oder so manches ausgeklügelte Sensorsystem.

 

 

 

 

 

August:  Peter Busch aus Geldern

Niederrheinischer Hausaltar (Für alle Nöte und Gelegenheiten)

Aus seiner riesigen Sammlung von Alltagsgegenständen arrangiert Peter Busch

seine Altäre.

Der größte, mit mehr als 6 Metern Höhe, steht im Thermalbad Arcen.

Hier in Straelen wird aus dem Gewächshaus für die Kunst für einen Monat lang

ein Bilderstöckchen mit einem Assoziationsfeld aus Sakralem, Spuren gelebten

Lebens, Arbeit, Kindheit, Krieg und vielem mehr…

 

 

 

 

 

Juli:  Peter Bogatka, Krakau und Geldern

 

 


 

Intermezzo   Heiner Geisbe     vom 21. bis 30. Juni

 


 

Andrea Küster vom 1. – 20. Juni

 

Unter dem Titel  “Eine Reise auf dem Fisch” oder ein Sonntag im Gewächshaus” zeigt die Malerin Andrea Küster aus Düsseldorf zwei Bilder aus einer Werkgruppe der 90ger Jahre.

Menschen in schwarz-weiß und Grautönen (Grisaille Technik) gemalt, ohne Individualität und in einer Gestimmtheit, in der sich jeder von uns insgeheim, innerlich immer wieder befinden mag.


“Ich stelle es mir reizvoll und hoffentlich auch etwas rätselhaft vor, wenn diese Bilder, die Figuren sind schließlich nackt, in einem Glashaus hängen, mitten in der Natur, die ihrem eigenen Wachstum folgt.”  Andrea Küster

 


 

 

Im Mai waren Ekkehard Neumann aus Münster, Elly Valk-Verheyen aus Dortmund sowie Annette Wesseling und Friedhelm Falke aus Köln zu Gast. Zusammen zeigten sie einen Tisch mit Objekten und Skulpturen, der so auch schon im Künstlerhaus Sootbörn in Hamburg ausgestellt war.